Nachteilsausgleich


Unter dem Begriff Nachteilsausgleich für Menschen mit Beeinträchtigung werden spezifische Massnahmen verstanden, die zum Ziel haben, behinderungsbedingte Nachteile auszugleichen, Diskriminierungen zu verhindern und individuelle Anpassungen zu gewähren. Lernende, die aufgrund einer körperlichen oder psychischen Beeinträchtigung nicht ohne Anpassung der Rahmenbedingungen ihr volles Potential entfalten können, können bei den jeweils zuständigen Stellen ein Gesuch um Gewährung eines sogenannten Nachteilsausgleichs einreichen. Der Nachteilsausgleich darf nicht die Inhalte von Tests und Prüfungen erleichtern. Der Stoff bleibt derselbe. Die Art des Nachteilsausgleichs und der Prüfungserleichterungen hängen von der jeweiligen Benachteiligung ab und muss individuell bestimmt werden. Lernende respektive deren gesetzliche Vertretung sind selber dafür verantwortlich, rechtzeitig einen Antrag auf Nachteilsausgleich zu stellen. Dem Antrag sind Atteste von anerkannten Fachpersonen beizulegen, die auch Empfehlungen zu konkreten Massnahmen für den Nachteilsausgleich enthalten.


Für einen Nachteilsausgleich während der beruflichen Grundbildung sowie für das Qualifikationsverfahren wird von den Lernenden erwartet, dass sie zusätzliche Anstrengungen unternehmen, um die Beeinträchtigung im Alltag selber besser bewältigen zu können. Diese Anstrengungen sind eine Voraussetzung, damit der Anspruch bejaht und der Nachteilsausgleich gewährt werden kann. Das Gesuch um Gewährung eines Nachteilsausgleichs im Unterricht der beruflichen Grundbildung ist grundsätzlich zu Beginn der Ausbildung bei der Schulleitung einzureichen. Diese entscheidet über die Gewährung eines allfälligen Nachteilsausgleichs. Für das Qualifikationsverfahren ist mit der Anmeldung zum Qualifikationsverfahren, spätestens aber bis am 30. November des Vorjahres, ein neues, separates Gesuch bei der Abteilung Betriebliche Bildung des Mittelschul- und Berufsbildungsamtes des Kantons Bern einzureichen, welche über die Gewährung eines allfälligen Nachteilsausgleichs entscheidet (vgl. Art. 77 Abs. 1 Bst. c der Verordnung vom 9. November 2005 über die Berufsbildung, die Weiterbildung und die Berufsberatung (BerV; BSG 435.111). Bei Nichteinhaltung der Frist wird das Recht auf einen Nachteilsausgleich an den Prüfungen verwirkt. Für Erleichterungen im Qualifikationsverfahren wird in aller Regel vorausgesetzt, dass bereits im Unterricht ein Nachteilsausgleich gewährt wurde, Ausnahmen sind aber möglich.


Der Nachteilsausgleich für den Berufsmaturitätsunterricht muss separat zum Nachteilsausgleich im Berufsschulunterricht bei der Schulleitung beantragt werden. Der Nachteilsausgleich für die Berufsmaturitätsprüfungen bedingt ein weiteres, separates Gesuch, welches drei Monate vor Prüfungsbeginn bei der Kantonalen Berufsmaturitätskommission (KBMK) eingereicht werden muss; das Gesuch für das Qualifikationsverfahren gilt nicht für die Berufsmaturität. Die Formulare zur Beantragung eines Nachteilsausgleichs finden Sie auf der Homepage der Erziehungsdirektion des Kantons Bern.

Link zu den Formularen